Das Wohlergehen vieler Delphinpopulationen weltweit wird
durch Beifang, Umweltverschmutzung, Zerstörung der Lebensräume, Überfischung
und den Klimawandel bedroht. Andere Bedrohungen gehen unter anderem von Tätigkeiten
aus, die diese Tierart evtl. verängstigen, vertreiben oder schädigen könnten,
wie z. B. Lärmverschmutzung der Meere durch Lärmquellen wie Schiffsverkehr,
Windkraftanlagen, seismische Studien und militärische Sonarsysteme.
Fischerei und Beifang
Weltweit steigert die Fischerei ihre Intensität und breitet sich über immer
größere Gebiete aus. Die Einführung von nachhaltigeren Fangtechniken kann
diesen Druck reduzieren. Die Anwendung destruktiver Fangtechniken und das
Wachstum vieler moderner gewerblicher Fischereien haben jedoch weiterhin
Auswirkungen auf viele Delphinpopulationen überall auf der Welt. Die
Auswirkungen können die Populationen direkt durch Beifang und indirekt durch
den Verlust von Beutetieren betreffen.
Es ist bekannt, dass Delphine sich in vielen Arten von Fanggeräten verfangen,
wie z. B. Langleinen, Treibnetzen, Schleppnetzreihen und Schwimmschleppnetzen.
Das größte Problem bleiben jedoch küstennahe Kiemennetze, Treibnetze und
Ringwadennetze. Die anhaltende Nutzung von Kiemennetzen ist eine Bedrohung für
eine Reihe von Delphin- und Tümmlerarten der Küstengewässer.
Einige Delphinpopulationen könnten auch allein durch das Ausmaß moderner
Fischerei bedroht sein. Da die Fischereien miteinander um den Fisch
konkurrieren, steht den Delphinen und anderen Tieren immer weniger Beute zur
Verfügung.
Verschmutzung durch Chemikalien
Die Ursachen für die Verschmutzung der Meere mit chemischen Schadstoffen sind
vielfältig. Schadstoffquellen sind z. B. Abwässer aus Haushalten und Industrie,
Versickerungen von Mülldeponien, atmosphärischer Fallout, Abflüsse von
Haushalten, Unfälle und Auslaufen auf See, betriebsbedingte Einleitungen von
Ölplattformen, Abflüsse aus Bergbauarbeiten und Einträge aus der
Landwirtschaft. Viele der in der Nähe von großen Siedlungszentren gelegenen
Flüsse, Ästuarien und Küstengewässer weisen Anzeichen von Eutrophierung und
Verschmutzung durch Schwermetalle auf. Toxische Algenblüten in Ästuarien und
Buchten kommen immer häufiger vor.
Die Auswirkungen von Verschmutzung durch Chemikalien auf Delphine reichen von
direkter Vergiftung bis hin zur Schädigung wichtiger Lebensräume. Die
Chemikalien, die Delphine vermutlich am stärksten belasten, sind persistente
organische Schadstoffe (POPs) einschließlich Pestizide wie DDT und aus der
Industrie stammende Chemikalien, von denen PCBs die bekannteste Gruppe bilden.
Diese Schadstoffe dringen in die Meeresnahrungskette ein und reichern sich über
die einzelnen Stufen bis hin zu den Meeresräubern am Ende der Kette an.
Die wahrscheinlichen Folgen dieser außerordentlichen Belastung durch
Schadstoffe sind Schäden an den Reproduktions- und Immunsystemen von
Meeressäugern (und anderen Arten). Von vielen Delphinpopulationen ist bekannt,
dass sie stark schadstoffbelastet sind, was zu einer gesteigerten Mortalität
beitragen könnte.
Die Zahl der Berichte über durch Viren und Bakterien hervorgerufene Krankheiten
bei Meerestieren sowie über ein offensichtlich verstärktes Auftreten toxischer
Algenblüten steigt weltweit an. Es wird angenommen, dass die Schädigung von
Lebensräumen, insbesondere durch die steigende Verschmutzung durch Chemikalien,
den Ausbruch von Krankheiten begünstigt und die immunotoxische Wirkung einiger
Schadstoffe mit dem Massensterben von Meeressäugern in Verbindung steht.
Die steigende, vielfältige Belastung der Tiere und die derzeitigen Tendenzen
des Klimawandels könnten Delphine anfälliger für Krankheiten machen. Durch den
Transport von Produkten und Ballastwasser verteilen sich Krankheitserreger über
die ganze Welt und könnten die Tiere vermehrt Krankheiten aussetzen.
Umweltschadstoffe könnten das Auftreten neuer Krankheiten begünstigen. Darüber
hinaus könnte die Einwirkung von chemischen Schadstoffen mit immunotoxischer
Wirkung die Immunabwehr von Delphinen schwächen und der Ausbruch von
Algenblüten könnte die Mortalität in geschwächten Populationen weiter erhöhen,
da durch das Fischsterben das Nahrungsangebot reduziert wird.
Kollisionen mit Schiffen, Lärm, Störung und Belästigung
Für Delphine ist das Gehör der wichtigste der Sinne, und die Fähigkeit gut zu
hören ist in allen wichtigen Lebensbereichen, einschließlich Futtersuche,
Orientierung und Kommunikation mit Artgenossen, von größter Bedeutung. Jede
Beeinträchtigung der Hörfähigkeit – ob durch körperliche Schäden oder Überlagerung
durch andere Geräusche – könnte die Lebensfähigkeit von Individuen, und damit
Populationen, ernsthaft gefährden.
Durch Menschen erzeugter Lärm in der Meeresumwelt verstärkt die bereits
erhebliche natürliche Geräuschkulisse von Lebewesen und Umgebung. Schiffe und
andere Wasserfahrzeuge, Militäroperationen, Vorrichtungen zum Schutz vor
Raubfischen in der Fischerei, Meeresforschung und Luftgewehre, die für
seismische Tests bei der Suche nach Öl- oder Gaslagerstätten benutzt werden,
tragen zur Lärmverschmutzung bei. Eine neue Bedrohung für Delphine sind die
möglichen Auswirkungen von Off-Shore Windkraftanlagen.
Während die Auswirkungen vieler künstlicher Lärmquellen lokal begrenzt sind,
haben sich einige neue militärische Technologien leistungsstarke Ortungsverfahren
zu Nutze gemacht, deren Wellen sich möglicherweise über tausende von Kilometern
durch das Meer verbreiten.
Mögliche Auswirkungen von anthropogenem Lärm auf Delphine reichen von
körperlichen Schäden der Tiere (insbesondere der Tiere in der näheren Umgebung
der Lärmquelle) über verändertes Verhalten, steigenden Stress bis hin zur
Vertreibung aus wichtigen Lebensräumen.
Außerdem könnte das Ausmaß der Belästigung, ob beabsichtigt oder zufällig, ein
zunehmendes und kaum verstandenes Problem in Küstengewässern sein.
Die schwerwiegendsten Folgen, die mit Lärm, Belästigung und Zusammenstöße mit
Schiffen in Verbindung gebracht werden, könnten die kumulativen und
langfristigen Folgen sein, die wir gegenwärtig nicht abschätzen und beurteilen
können.
Verlust und Zerstörung von Lebensräumen
Sowohl für das einzelne Tier als auch für die Delphinpopulation (oder Art) ist
es wichtig, dass der Lebensraum den Tieren weiterhin eine angemessene
Lebensgrundlage bietet.
Der Verlust von Lebensraum ist besonders für Delphine wie z. B. Flussdelphine
bedrohlich, die in einem begrenzten Bereich leben. In vielen Gegenden
verursachen Dämme, Fischereistrukturen und Wasserentnahme durch den Menschen
einen Verlust von Lebensraum. In einigen Teilen der Welt haben Wasserwirtschaft,
Hochwasserschutz und starke Veränderung von Flüssen, einschließlich der
Beseitigung von Oberflächenwasser, zu einem Rückgang der Populationen geführt.
Dämme verhindern Wanderungen und schaffen Barrieren, die die Populationen
spalten. Die Anzahl der Beutetiere könnte sich reduzieren während
Sedimentation, Übersättigung mit Nährstoffen und der Salzgehalt, und als Folge
Eutrophierung, ansteigen.
Auch für in Küstengewässern oder im Meer lebende Arten ist der Verlust von
Lebensraum ein Problem. Veränderungen in der Atmosphäre, der Wetterverhältnisse
und der Meeresökosysteme werden derzeit beobachtet. Unter anderem werden
Vorhersagen zu Veränderungen der Meeresoberfläche und dem Anstieg des
Meeresspiegels getroffen. Veränderungen der Eiskappe beeinflussen möglicherweise
Niederschlag und Salzgehalt; Temperaturveränderungen könnten in küstennahen
Auftriebsgebieten eine mögliche Reduzierung der Nährstoffkonzentration und
"Produktivität" bewirken, was wiederum Folgen für die gesamte
Nahrungskette haben kann.
Die Veränderung von Lebensräumen könnte eine Verschiebung der Nahrungsquellen
für Delphine bedeuten (durch die Veränderung in den Auftriebstrukturen und der
Beutevorkommen). Arten, die ihr Futter in einem Umfeld suchen, in dem die
Nahrungsquellen ungleichmäßig verteilt und auf bestimmte Stellen konzentriert
sind, könnten Schwierigkeiten haben Beute zu finden.
Die Folgen des Klimawandels für Delphine verschlimmern sich durch die
offensichtliche Geschwindigkeit, mit der sich der Wandel vollzieht (3 bis 4
Grad Celsius in den höheren Breitengraden in nur 50 Jahren). Man geht davon
aus, dass Delphine bisher solch raschen Veränderungen noch nicht ausgesetzt
waren. Im Zusammenhang mit den kumulativen Auswirkungen könnte die Anpassung an
diesen schnellen Wechsel die Fähigkeit der Delphinpopulationen übersteigen.
Vorsätzliche Jagd
Einige Küstengemeinden haben Delphine Jahrhunderte lang gejagt. Auch in
Südasien, Ostasien, Südostasien und in Teilen Afrikas und Südamerikas sind
Jagden auf Delphine dokumentiert. In einigen Fällen hat sich der Beifang von Delphinen
zum gezielten Fang mit Netzen oder zur Harpunenjagd durch handwerkliche Fischer
gewandelt. Die Folgen dieser neuen gezielten Netzjagden ist unbekannt, da es
nur wenig Daten über die entsprechenden Populationen oder die Anzahl der
gefangenen Tiere gibt. Wahrscheinlich sind die Jagden nicht nachhaltig. Die
Überzeugung, dass Delphine mit den Fischereien konkurrieren oder Fischnetze
beschädigen, hat in einigen Regionen zu einem Abschlachten der Tiere geführt.





