Auf der 8. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt stellte das Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten in Zusammenarbeit mit der TUI AG den Bericht „Wildlife Watching and Tourism“ (Naturbeobachtung und Tourismus) vor, eine Studie zu den Vorteilen und Risiken dieses schnell wachsenden Tourismuszweiges und seiner Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenarten. Der von Richard Tapper verfasste Bericht kommt zu dem Schluss, dass der Naturbeobachtungs-Tourismus einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der örtlichen Gemeinden und zum Schutz der Natur leisten kann, indem er das Bewusstsein für die beobachteten Tiere und ihre Lebensräume schärft und neue Einnahmequellen für die Naturschutz-Finanzierung sowie neue Arbeitsstellen und Einkommensmöglichkeiten für die örtlichen Gemeinden schafft. Gleichzeitig müssen diese Aktivitäten jedoch zwecks Vermeidung möglicher negativer Auswirkungen von den staatlichen Stellen, der Tourismusindustrie und den Verantwortlichen des Natur- und Artenschutzes sorgfältig geplant und umfassend betreut werden. Der Bericht enthält 12 Fallstudien, u.a. über die Beobachtung von Gorillas, Walen, Walhaien, Pinguinen und Monarchfaltern.
Der vollständige Bericht kann hier herunter geladen werden.
Die Beobachtung von Delphinen
Die Beobachtung der Natur als unschädliche Nutzung wild lebender Tier- und Pflanzenarten kann beträchtliche finanzielle Einnahmen für die Gemeinschaften vor Ort und den privaten Sektor schaffen und zur Erhaltung beitragen. Dies trifft auf jeden Fall für die Beobachtung von Walen und Delphinen zu, denn die Erfahrungen einer solchen Tour fallen unter die Rubrik: Einmal im Leben sollte man es gemacht haben.
In den letzten Jahren hat die Beobachtung von Walen und Delphinen im Tourismus in allen Teilen der Welt sehr stark zugenommen. Inzwischen werden in mehr als 50 Ländern entsprechende Touren angeboten, die jedoch sehr unterschiedlich gestaltet sein können. Man kann aus einer Vielzahl von Schiffen und Booten wählen – vom großen Kreuzfahrtschiff bis zu kleineren Yachten und Katamaranen. Man kann sogar im eigenen Kajak paddeln, oder aber auch, ohne seekrank zu werden, die Wale und Delphine von Land aus beobachten.
Die meisten entscheiden sich jedoch für die eine oder andere Art von Boots-/Schiffstour. Teilweise bieten mehr als zehn Unternehmen von einem Hafen aus entsprechende Touren an, und es ist sehr schwierig, sich für einen bestimmten Anbieter zu entscheiden. Man könnte meinen, dass alle Anbieter doch mehr oder minder das Gleiche bieten, was in der Realität aber nicht immer der Fall ist. Eine gute Wal- oder Delphinbeobachtungstour zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur Freude macht, lehrreich ist und ein sicheres Unterfangen für die Teilnehmer darstellt, sondern auch durch die Rücksichtnahme der beobachteten Wale und Delphine und ihren Respekt. Man sollte sich bemühen, sie so wenig wie möglich zu stören.
Als Richtschnur für die Auswahl einer guten Beobachtungstour ließe sich sagen: Bevor Sie sich für die Buchung einer Tour entscheiden, bitten Sie um Informationsmaterial, lesen Sie die Anschlagtafeln oder fragen Sie am Buchungsschalter. Achten Sie darauf, dass Ihnen das Angebot zusagt, bevor Sie eine bestimmte Tour fest buchen bzw. an Bord gehen.
Ein guter Anbieter von Whale Watching wird:
Das Wohl der Tiere an erste Stelle setzen:
Dies bedeutet als erstes ein umsichtiges und verantwortungsbewusstes Vorgehen des Boots-/Schiffskapitäns. Man vergisst so leicht, dass wir ungeladene Gäste in der Welt der Wale und Delphine sind und es ein Privileg ist, sie zu beobachten. Wir dürfen sie so wenig wie möglich stören. Es reizt natürlich, so nah wie möglich an die Tiere heranzukommen, vor allem, wenn man sie fotografieren möchte, aber man sollte nicht vergessen, dass es wirklich wild lebende Geschöpfe sind und sich dauernde Störungen sehr negativ auf ihre Fähigkeit auswirken können, sich zu ernähren, zu ruhen und ihren Nachwuchs groß zu ziehen. Stellen Sie sich in einem solchen Fall einfach vor, eine Busladung Touristen würde bei Ihnen einfallen, um ihnen beim Sonntagsmahl über die Schulter zu schauen! Außerdem führt ein vorsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten in der Nähe von Walen und Delphinen normalerweise dazu, dass man sie viel länger beobachten kann und zwar bei ihrem ganz normalen Verhalten – fliehende Wale und Delphine sind kein schöner Anblick!
Die bestehenden Vorschriften für die Walbeobachtung in dem entsprechenden Gebiet befolgen:
In einigen Ländern gibt es spezielle Vorschriften für die Beobachtung von Walen und Delphinen (mit Mindestabständen, etc.), die auch kontrolliert und durchgesetzt werden. In vielen Ländern jedoch werden entsprechende Vorschriften nicht angemessen durchgesetzt, oder es existiert zwar ein Verhaltenskodex, aber keinerlei Mittel, um diesen durchzusetzen. Man verlässt sich einfach auf die gute Absicht des entsprechenden Anbieters. Oder noch schlimmer – Gebiete, in denen Beobachtungstouren für Wale und Delphine einfach jedem offen stehen. Nichts und niemand hindert unverantwortliche Anbieter daran, bei ihren Bemühungen ihre Passagiere so schnell wie möglich so nahe wie möglich an die Wale und Delphine heran zu bringen, diese ständig zu belästigen.
Es empfiehlt sich vor Betreten des Schiffes herauszufinden, ob in dem entsprechenden Gebiet bestimmte Vorschriften oder zumindest ein freiwilliger Verhaltenskodex existieren. Stellen Sie dem Anbieter entsprechende Fragen, um klarzumachen, dass Sie die Vorschriften kennen. Zögern Sie nicht, frei Ihre Meinung zu äussern, wenn Sie der Ansicht sind, dass sich der Boots-/Schiffskapitän nicht verantwortungsbewusst verhält und die Bedürfnisse der Tiere nicht an erste Stelle setzt.
Angemessene Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben:
Zu einem sicheren Schiff gehören ein erfahrener Boots-/Schiffskapitän, eine in erster Hilfe und Rettungsmaßnahmen gut ausgebildete Crew, eine entsprechende Sicherheitsausrüstung (z.B. ein Kurzwellen-Radio, funktionierende, gute Schwimmwesten, ein aufblasbares Rettungsboot, Nahrungs- und Wasservorräte, etc.), eine angemessene Versicherung, eine Höchstzahl Passagiere, erprobte und geläufige Notfallmaßnahmen sowie eine angemessene Sicherheitsbelehrung sämtlicher Passagiere.
Den Dienst am Kunden groß schreiben:
In der Werbung sollte ehrlich angegeben sein, was die Passagiere von einer Tour erwarten können. Hierzu kann gehören, eine Erfolgsquote anzubieten, die aber realistisch sein sollte, denn von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist es praktisch unmöglich zu garantieren, dass es bei jedem Auslaufen zu einer Sichtung der Tiere kommt. Die Tour sollte in allen Aspekten professionell gestaltet sein, d.h. der Preis sollte fair, die Crew freundlich und höflich und das Boot/Schiff sauber sein sowie pünktlich auslaufen. Man sollte sich informieren, ob es eine Rückerstattung des Tourpreises oder eine kostenlose Teilnahme an einer späteren Tour gibt, wenn aufgrund schlechter Wetterverhältnisse oder zu rauer See eine gebuchte Tour nicht durchgeführt werden kann.
Bei den Touren einen Naturführer an Bord haben:
Dies ist ein sehr wichtiger Punkt – er kann den entscheidenden Unterschied zwischen einer 08/15-Tour und einem grandiosen Erlebnis mit bleibenden Erinnerungen ausmachen. Wählen Sie einen Anbieter, der auch fachliche Informationen liefert - am besten sowohl vor der Tour als auch unterwegs. Auf größeren Schiffen können ausgebildete Naturführer dabei sein, was sicher immer am besten ist, bei kleineren Booten kann aber auch der Bootsführer selbst als Führer dienen.
Ein guter Führer wird Ihnen lebendige und unterhaltsame Erläuterungen zu den verschiedenen Arten von Walen und Delphinen, die Sie hoffentlich sichten werden sowie zur Meereswelt des besuchten Gebiets geben können. Er wird sich auch mit den Gefahren, denen die Meersfauna und ihre Lebensbereiche ausgesetzt sind, auskennen. Manchmal ist es schwierig, einen weiter entfernten Wal oder Delphin zu erkennen, und dann werden Ihnen die geübten Augen des Führers dabei helfen, die „kleine schwarze Rückenflosse steuerbord“ auch wirklich zu entdecken. Der Führer wird auch in der Lage sein, das Verhalten der beobachteten Wale und Delphine zu interpretieren, was zu einem besseren Verständnis der Tiere und ihres Verhaltens und noch mehr Freude an der Tour führen wird.
Zu ausführlichen Erläuterungen können auch Folien, Poster und Karten bis hin zu Aufzeichnungen von Walgesängen gehören. Der Führer kann Mappen mit Bildern der vor Ort vorkommenden Wale und Delphine herumreichen, damit man die Tiere besser identifizieren kann, oder auch Barten, einen Kiefer oder Zähne, so dass man einen detaillierteren Eindruck gewinnt.
Wissenschaftlich tätig sein:
Dies ist nicht unbedingt Voraussetzung für eine gute Wal- oder Delphinbeobachtungstour, aber es bringt Vorteile mit sich, wenn ein Forscher an Bord ist. Auf einigen Schiffen nutzt der Naturführer das Schiff auch als Ausgangspunkt für seine eigenen Forschungsaktivitäten, wie z.B. Zählungen von Sichtungen oder Studien zur Photoidentifikation von Tieren. Manchmal können die Passagiere auch bei einfachen Untersuchungen mithelfen. Dies stellt eine weitere Dimension neuer Erfahrungen dar und auch ist eine gute Möglichkeit etwas zu lernen, man fühlt sich einfach stärker mit einbezogen. Ein guter Anbieter erkennt die Notwendigkeit, so viel wie möglich über die Wale, die Delphine und die anderen Meereslebewesen in dem Gebiet herauszufinden. Vor Ort durchgeführte Forschungsarbeiten stellen eine sich stetig erweiternde Kenntnisquelle in Bezug auf die lokal vorkommenden Wale und Delphine und ihre täglichen und saisonalen Wanderungen dar. Außerdem können auch lokale Forschungseinrichtungen von dem Geschäft mit den Wal- und Delphinbeobachtungen profitieren, wenn ein Teil der erzielten Gewinne an sie weitergegeben wird.





